casablanca gGmbH – Innovative Jugendhilfe und Soziale Dienste

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Newsletter Mai 2020

im Team durch die Krise: ambulante Hilfen im Panke-Haus

Team AHM 2020So dicht werden wir lange nicht beieinander sein (Teile des Teams Ambulante Hilfen Mitte im September 2019Dienstag, 07.04.2020

Ich mache mein Handy an. Später als sonst – aber gestern habe ich noch lange an einem Bericht gesessen. Heute habe ich keinen einzigen Präsenz-Termin – das ist so aufgrund besorgter Eltern, die möglichst wenig Kontakte nach außen haben wollen. Und auch wir haben vor, zumindest eine Zeitlang nicht dringend notwendige Kontakte zu meiden. Was für ein komisches Gefühl in unserer Branche.
Deshalb war mein Plan für heute auszuschlafen, Sport zu machen und erst nach dem Mittagessen meinen Kopf für die Arbeit zu öffnen… Das dachte ich zumindest!

 

Oh Scheibenkleister! 20 Nachrichten im Teamchat… O NEIN! HeUTe Ist jA DiensTAg! Wir hatten verabredet heute zum ersten Mal unsere Team-chit-chat-Zoomzeit zu machen! Und ich sollte die Zoomkonferenz einrichten und alle anderen einladen. Das wäre um 10 Uhr gewesen. Wie peinlich! Jetzt musste jemand anderes im Team den Chat spontan einrichten UND ich habe die Gelegenheit verpasst mit den anderen zu quatschen!

Und diese Gelegenheit vermisse ich. Denn durch die sozialen Einschränkungen ist es fast unmöglich geworden, meine Kolleg*innen zwischen Tür und Angel zu sprechen. Unser Team wurde aufgeteilt, um im Falle einer Infektion möglichst viele Kolleg*innen arbeitsfähig zu behalten. Wir müssen zueinander Abstand halten, dürfen nicht lange in einem Raum bleiben. Das macht es schwer, zu hören wie es ihnen geht und kurze Fallberatungen zwischen drin zu haben. Das war immer eine große Stärke in unserem Team. Jetzt fühle ich mich das erste Mal seit drei Jahren in denen ich ambulante Hilfen mache so, als ob ich größtenteils alleine arbeiten würde. Den anderen geht es wohl auch so. Natürlich haben wir wöchentlich Teamsitzung oder Supervision (via Videokonferenz) aber das fängt den Austauschbedarf von 10 Kolleg*innen nicht auf.

Da kommt die zweite Stärke unseres Teams zum Tragen. Nämlich, dass wir Schwierigkeiten bemerken, sie dann offen benennen und am Ende gemeinsam Lösungen finden. Und das haben wir auch hier gemacht. Da wir uns momentan kaum noch im echten Raum begegnen können, haben wir uns entschieden einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem das geht… Nun ja fast. Nächste Woche dann zumindest, wenn ich nicht vergesse dass wir verabredet sind!

 

Dienstag, 14.04.2020

Und das schaffen wir dann auch. Im Gespräch mit meinen Kolleg*innen wird mir wieder einmal bewusst, was für wichtige Arbeit diese in den Familien leisten. Auf kreative Weise versuchen alle das Kindeswohl und zumindest den Ansatz von Chancengleichheit sicher zu stellen. Manche sind zu Lehrer*innen geworden, weil die Eltern der Kinder es nicht schaffen, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Dass sie die Kinder unterstützen, trägt dazu bei, dass es weniger Konflikte in den Familien gibt. Und es sorgt dafür, dass die Lücken, die die Kinder nach der Krise haben werden nicht ganz so groß sind, wie sie es sonst wären. Andere haben ganz neue Ebenen von Beziehung mit den Adressat*innen gefunden, weil diese plötzlich andere Gespräche am Telefon führen können.

 

Mittwoch, 13.05.2020

Ich selbst betreue einen Jungen, bei dem das Jugendamt in großer Sorge um sein Wohl ist. Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Eltern Angst, Termine mit einer haushaltsfremden Person zu zulassen. Ich habe zugesagt, dass ich mit Mund- und Nasenschutz arbeite. Auch daran muss man sich gewöhnen. Wenn seine Mama dabei ist, erzählt er, dass alles toll zu Hause ist und im Leben und überall sonst sowieso. Doch das Kindeswohl konnte ich so kaum einschätzen. Gestern (in der ersten Woche der Lockerungen) konnten die Eltern zulassen, dass ich ihn das erste Mal alleine sah. Und tatsächlich erzählt er mir von Schreien und von Schlägen zu Hause. Das bedrückt mich.

Nach diesem Termin laufe ich glücklicherweise mit meiner Leitung zum Jugendamt und auf dem Weg können wir einen Plan für die nächsten Schritte schmieden. Das gibt Handlungssicherheit. Normalerweise würde ich jetzt noch bei Gelegenheit zwischen zwei Terminen in unserem Büro aufs Sofa fallen und die Person zutexten, die gerade da ist. Die Kolleg*in würde mich dann emotional auffangen und wieder hätte ich das Gefühl nicht alleine in meiner Arbeit zu sein. Das geht dieser Tage nicht. Aber nächsten Dienstag ist ja zum Glück wieder Team-Chit-Chat-Zoomzeit mit den anderen. Ich muss also nur ein wenig aufschieben… und dann kann ich mir holen was ich brauche, um meine Arbeit gut und souverän zu machen. Danke an mein Team dafür!

Jetzt darf ich bloß nicht verpeilen, wann es Dienstag ist! ;)


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