casablanca gGmbH – Innovative Jugendhilfe und Soziale Dienste

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Modellprojekt zur Radikalisierungsprävention "WERTE-WERKSTATT"

Das Modellprojekt Werte-Werkstatt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ziel des Projektes ist die Prävention islamistischer Orientierungen und Handlungen. Es richtet sich vorrangig an zwei Sekundarschulen in Berlin-Wedding. Zentraler Ansatz der Werte-Werkstatt ist, die Schülerinnen und Schüler über ihre vier Jahre währende Sekundarschulzeit hinweg zu begleiten und altersgerechte, aufeinander aufbauende Bildungsformate zu entwickeln.

 

Unser Konzept

Die im Projekt entwickelten, stets dialogzentrierten, Methoden …

  • stärken das Selbstwertgefühl,
  • regen die Jugendlichen zum selbstständigen Nachdenken an,
  • regen zum Perspektivwechsel an,
  • fördern die Ambiguitätstoleranz,
  • vermitteln Basiswissen zu Ideologien und Propaganda verschiedener extremistischer Strömungen,
  • stärken die Kompetenzen im Umgang mit demokratiefeindlichen Aussagen.


„[Ich würde über die Projekttage erzählen], dass ich mich durch das Diskutieren wie ein Politiker gefühlt habe.“ (Aussage eines teilnehmenden Schülers)

Neben den Workshops zur Prävention islamistischer Orientierungen und Handlungen bildet die Information und Sensibilisierung relevanter Akteure im Sozialraum der beiden Kooperationsschulen den zweiten Schwerpunkt des Modellprojekts. Um die Transferfähigkeit und nachhaltige Nutzung der Ergebnisse zu gewährleisten, werden diese im Verlauf des Projekts aufbereitet und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

 

Seminare mit Schüler*innen

Während ihrer Sekundarschulzeit, also über vier Jahre, begleitet die Werte-Werkstatt Schülerinnen und Schüler mit altersgerechten, aufeinander aufbauenden Bildungsformaten.

 

Pädagogischer Ansatz

Die Arbeit in den Workshops ist zuallererst dialogzentriert. Der Austausch und das Aushalten sich widersprechender Meinungen und Wertegefüge steht im Mittelpunkt aller Methoden. Mit dieser Vorgehensweise geht ein Entdecken eigener Vorstellungen und Haltungen einher. Die Gespräche sollen die Neugier auf die Positionen des Gegenübers und seine Beweggründe wecken. Kontroverse Debatten, sowohl zwischen den Schüler*innen als auch mit den Pädagog*innen, sollen durch dieses Vorgehen nicht vermieden oder umgangen werden, sie sind sogar erwünscht. Jedoch sollen diese auf gegenseitigem Respekt und Empathie beruhen. Konkrete Situationen und Verhaltensweisen aus dem Alltag der Jugendlichen eignen sich, um Widersprüche problematischer Positionen zu verdeutlichen, indem nach Beweggründen und Sinn von Haltungen und propagierten Regeln gefragt wird.

 

Inhalte

Die Workshops beginnen im 7. Schuljahr spielerisch mit team- und vertrauensbildenden Maßnahmen.
 

Workshop


Der in Kleingruppen geführte Dialog orientiert sich an den Leitfragen „Wer bin ich?“, „Was ist mir wichtig und warum?“ und „Was ist für mich OK, und was nicht?“.

Workshop1

Workshop2

 
Dabei werden multimedial Impulse gesetzt, indem zu kontroversen Bildern, Videos und Statements Meinungen geäußert werden können. Durch die eigene Auswahl der Bilder können die Jugendlichen auch selbst die Schwerpunkte der Gespräche bestimmen. Ein Quiz zum Thema Religionen vermittelt Basiswissen, soll die Neugierde auf andere Religionen wecken und kann die Spieler*innen regelmäßig verblüffen, wenn sie etwa erfahren, dass Abraham als Stammvater sowohl des Judentums als auch des Islams gilt.

 

Workshop3


 
Im 8. und 9. Jahrgang werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Unter der Leitfrage, wie wir miteinander leben wollen, werden Wünsche zum gemeinsamen Umgang mit den Menschen- und Grundrechten verglichen, um anschließend die Berührungspunkte und Grenzen der Religions- und Meinungsfreiheit zu diskutieren.

In einer Rallye und einer interaktiven Power-Point-Präsentation wird Wissen zu Ideologien und Propaganda extremistischer Gruppen vermittelt, um sie anschließend zu diskutieren und zu vergleichen.
 

Workshop4

 

In Kooperation mit dem Projekt „Die Freiheit, die ich meine“ des Vereins „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ wurden Workshops durchgeführt, in denen die Jugendlichen Geschlechterrollen diskutieren und hinterfragen konnten. Im 10. Jahrgang werden die Kompetenzen im Umgang mit demokratiefeindlichen Aussagen gestärkt.

Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikator*innen

Die Werte-Werkstatt bietet praxisnahe und bedarfsorientierte Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Pädagog*innen in den beiden Kooperationsschulen und in den nichtschulischen Einrichtungen im Sozialraum (professionsübergreifend) an. Ziel ist, die Akteure zu vernetzen, sie in die Projektaktivitäten so weit wie möglich einzubeziehen und so die Transferfähigkeit und nachhaltige Nutzung der Ergebnisse zu gewährleisten.


Auf Anfrage bietet die Werte-Werkstatt Fortbildungen sowohl zum praktischen Know-How im Bereich der Radikalisierungsprävention als auch zu aktuellen Diskursen von religiös motivierter Radikalisierung an. Je nach Interesse werden Expertisen zu folgenden Themen dargeboten:

 

  • Entstehung und Geschichte des Islams und die Situation heute
  • Islamismus, Salafismus (Entstehung, Geschichte, Situation heute), inkl. Medienbeispiele
  • Radikalisierung: Definition, Verläufe und Indikatoren
  • Salafismus als Jugendkultur, Pop-Dschihadismus, Symbole & Codes, inkl. Medienbeispiele
  • Radikalisierung bei Mädchen
  • Radikalisierungsprävention – Erfahrung aus der Praxis

 

Bei Interesse / Fragen erreichen Sie uns per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beispiel einer Methode: „Statements diskutieren“

Die Schüler*innen werden mit kontroversen oder problematischen Statements von Teilnehmer*innen/Schüler*innen früherer Durchläufe der Workshops konfrontiert. Diese sollen einerseits hinterfragt werden, andererseits können sie gut als Anlass dienen, mit allen die fraglichen Themen anzusprechen und die Jugendlichen dazu anzuregen, sich eine eigene Meinung zu den Themen zu bilden.

 

Arbeitsschritte

1. Karten mit den Statements von Gleichaltrigen werden auf dem Tisch, um den alle herumsitzen, ausgelegt.

Beispielhafte Aussagen:
„Ich habe eigentlich nichts gegen Schwule aber mein Vater sagt, das ist in unserer Religion nicht OK.“

„Es ist ungerecht, wenn Frauen nicht arbeiten dürfen, nur weil sie Frauen sind.“

„Die 5 Säulen des Islam gelten nicht nur für Muslime, sondern für alle Menschen.

Jede*r nimmt sich eine Karte mit einem Statement, zu dem er/sie etwas sagen will, egal ob positiv oder negativ.


2. Nun teilen die Pädagog*innen Karten in den Farben rot, gelb und grün an alle Teilnehmer*innen aus und erklären: "Jede*r wird jetzt reihum seine Auswahl vorstellen und begründen: „Ich habe mir dieses Statement ausgesucht, weil…“."


3. Dann wird der Rest der Gruppe aufgefordert, mittels der Karten die eigene Meinung zu dem Statement (nicht zu der Meinung der Person) darzulegen.
Workshop5Dazu werden die Karten vor sich auf den Tisch gelegt, damit man sie während der ganzen Diskussion sehen kann.

 

Die Bedeutung der Karten:

  • Grün: Stimmt, finde ich auch!
  • Gelb: Jein, bzw. ich weiß nicht, was ich davon halte!
  • Rot: Stimmt nicht, das finde ich nicht!

 

Wenn alle ihre Karten gelegt haben, wird das Bild der Gruppe angeschaut. Einzeln werden die Schüler*innen gebeten, ihre Auswahl zu begründen. Hier empfiehlt es sich, mit den abweichenden Antworten (die als einzige oder Minderheit Rot oder Grün gelegt haben) anzufangen.

Es soll dabei keine Diskussion entstehen, in der sich widersprochen wird á la „Das stimmt doch nicht! - Stimmt doch!“. Es soll nur die eigene Meinung begründet werden.

Gleichzeitig sorgen die Pädagog*innen dafür, dass die eventuellen problematischen Aussagen nicht unhinterfragt bleiben. Äußert sich – beispielsweise – ein*e Jugendliche*r zum folgenden Statement positiv: „In Deutschland darf jeder seine Meinung sagen. In normalen Ländern gibt es halt nur die eine Meinung. Und die ist dann richtig.“, hilft gezieltes Nachfragen der Pädagog*innen (z.B. „Fändest du es auch OK, wenn in deinem Land nur eine Meinung erlaubt wäre und zwar eine, die du nicht teilst?"), sich die Problematik des Statements bewusst zu machen.

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